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Die Entwicklung des Segelfluges

Der Begriff Segelflug wird das erste Mal von Otto Lilienthal (1848 - 1896) benutzt, der als erster systematische Untersuchungen über das Fliegen anstellt. Nach intensiver Beobachtung des Vogelflugs unternimmt Otto Lilienthal mehr als zweitausend Gleitflüge mit aus Wachstuch bespannten Hängegleitern.

Auch die Gebr. Wright greifen bei ihren Flugversuchen auf die Erkenntnisse Otto Lilienthals zurück. Im Gegensatz zu Lilienthal streben sie den Flug mit Motorkraft an, was sie auch 1903 verwirklichen können.

Die ersten Flugvorführungen der Gebr. Wright in Europa wecken auch in Deutschland wieder die Begeisterung für das Fliegen, welche nach dem Tode Lilienthals weitgehend erloschen war. In Frankfurt wird spontan eine Flugtechnische Vereinigung gegründet und wenige Monate später, im Oktober 1909, findet dort die erste Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) statt.

Schüler aus Darmstadt gründen im selben Jahr die erste Flug-Sport-Vereinigung. Mit ihren selbstgebauten Hängegleitern entdecken sie die Rhön als das ideale Gleitfluggelände in Deutschland. Der erste inoffizielle Streckenflugweltrekord wird aufgestellt - Länge 840 m, Flugdauer: 1 Minute und 50 Sekunden.

Nach dem ersten Weltkrieg verbieten die Versailler Verträge den Bau und Betrieb von Motorflugzeugen in Deutschland mit der Folge, dass von Flugbegeisterten immer mehr Gleitflüge auf der Wasserkuppe durchgeführt werden. Ab 1920 finden dort jährlich die Rhönwettbewerbe statt. Die Hängegleiter entwickeln sich weiter zu Segelflugzeugen.

Allerdings wird zu dieser Zeit noch nicht die Möglichkeit gesehen, sich fern ab von Berghängen antriebslos in der Luft zu halten. Erst 1926 erbringt Max Kegel, von einem Gewitter überrascht, unfreiwillig den Beweis, dass es thermische Aufwinde gibt. Robert Kronfeld gelingt es, bewusst einen Aufwindkanal anzufliegen und mit seinem Segelflugzeug Höhe zu gewinnen.  

In den folgenden Jahren werden die Segelflugzeuge kontinuierlich weiter entwickelt. Deutschland wird zur prägenden Segelflugnation.

Bereits 1939 liegt die längste mit einem Segelflugzeug zurück gelegte Strecke bei über 500 km.

Moderne Segelflugzeuge bestehen nicht mehr aus Holz und stoffbespannten Stahlrohren, sondern aus faserverstärkten Kunststoffen. Solche modernen Fluggeräte erreichen unglaubliche Leistungen. Gleitzahlen von über 60 sind keine Seltenheit, d. h., hat das Segelflugzeug im thermischen Aufwind eine Höhe von 1000 m erreicht, ist es in der Lage 60 km weit zu fliegen. Im November 2000 wurde der Weltrekord im Streckensegelflug in den südamerikanischen Anden auf über 2400 km verbessert.

Fliegen in Bünde

Auch in Bünde gibt es schon früh Begeisterte, die sich der Faszination des Fliegens nicht entziehen können. Bereits 1926 und 1927 werden am Gut Bökel die ersten Flugtage veranstaltet

Aus dieser Gruppe bildet sich zu Beginn der 30iger Jahre in Bünde der Ring der Flieger.

Gestartet wird zumeist in Barntrup und später in Oerlinghausen. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges ist es zunächst mit dem Fliegen in Bünde vorbei. Die Alliierten untersagen jeglichen Bau und Betrieb von Luftfahrzeugen in Deutschland.

1950 wird der Deutsche Aero Club gegründet, der sich für die Wiederzulassung des deutschen Segelfluges einsetzt. 1951 ist es soweit. Die Alliierten heben das Verbot Segelflugzeuge herzustellen, zu besitzen und zu betreiben wieder auf. Der Weg zur Gründung eines Segelflugvereins ist frei.

Am 14. Dezember 1951 unterzeichnen Gustav Klausmeier, Walter Flachmann, Friedhelm Pauck, Helmut Wellensiek, Manfred Walter, H.J. Kuszinski, Brix Henkel und Fritz Könenkamp die Satzung des Aero-Club Bünde, der unter dem Namen Luftsportverband Bünde Amt Ennigloh e.V. in das Vereinsregister eingetragen wird.

Das erste Segelflugzeug wird nach rund 2000 Arbeitsstunden im Oktober 1952 in Eigenleistung fertiggestellt.

1971 ändert der Verein seinen Namen in Aero-Club Bünde. Im gleichen Jahr gründet sich am Freiherr-vom-Stein Gymnasium die Schülerfluggemeinschaft Bünde (Protektor Studiendirektor Willy Steinmeier). Eine große Anzahl flugbegeisterter Jugendlicher schließt sich dem Verein an. Die Schließung des Flugplatzes Schnathorst durch die Bezirksregierung Münster zwingt den aufstrebenden Verein 1972, ein neues "zu Hause" zu suchen. Die Meller Segelflieger heissen die Bünder willkommen. Seitdem sind alle Bünder Flugzeuge auf dem Flugplatz Melle-Grönegau stationiert. Die Werkstatt des Aero-Club Bünde verbleibt im Bünder Stadtgarten und bildet hier den lokalen Anlaufpunkt für alle Mitglieder.

Der Verein geht mit der Zeit und erwirbt mit der ASW 15 sein erstes Segelflugzeug aus faserverstärktem Kunststoff.

Im Jahr 1976 kommt der erste Motorsegler vom Typ Falke SF 25 B hinzu. Mit diesem eigenstartfähigen Segelflugzeug geht ein langer Wunschtraum vieler Mitglieder in Erfüllung. Die Sparte Motorsegler etabliert sich fest im Aero-Club Bünde.

Die Landebahn des Flugplatzes Melle-Grönegau ist seit 1972 ein idealer Standort für die Bünder Flieger

Junge Piloten/innen wenden sich ab 1975 dem Streckensegelflug zu, dem sportlichen Teil der Segelfliegerei. Mitglieder des Vereins nehmen an Landes- und den Deutschen Meisterschaften teil. Der Verein stellt ihnen dazu leistungsfähige Segelflugzeuge zur Verfügung.

Die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu anderen Luftsportvereinen ist ein besonderes Anliegen. So bilden alle Bünder Fluglehrer auch Mitglieder des Segelflieger-Club "Grönegau" e.V. aus, wie umgekehrt viele Bünder Piloten auch durch die Hand der Meller Fluglehrer gegangen sind.

Der Aero-Club Bünde nimmt alljährlich am Porta-Wettbewerb teil, einem traditionellen Vergleichsfliegen engagierter Streckenflieger auf dem Flugplatz Porta Westfalica.

1989 fällt der eiserne Vorhang und gleich nach der Wiedervereinigung trifft die erste Abordnung Bünder Flieger mit ihren Flugzeugen auf dem Otto-Lilienthal-Flugplatz in Stölln Rhinow in Brandenburg ein. Seitdem finden die alljährlichen Sommerlehrgänge des Aero-Club Bünde nicht immer, jedoch in Regelmäßigkeit, auf dem Flugplatz in Stölln/Rhinow statt. Ein schönes Beispiel für das Zusammenwachsen Deutschlands.

Vieles hat sich seit Otto Lilienthal und den Gebr. Wright verändert. Wir leben im Düsen- und Raketenzeitalter. Die meisten Menschen haben schon einmal mit Verkehrsflugzeugen ihr Urlaubsziel erreicht und die Welt von oben gesehen. Und doch bleibt es den Segelflugzeugen, Motorseglern und (seit neuestem) den Ultra-Leichtflugzeugen vorbehalten, den Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Die Symbiose aus menschlichem Geschick und fortschrittlichem Flugzeugbau ermöglicht den Menschen die Chance, das Erlebnis des freien Fluges zu erfahren und zu genießen.

 

 

Unsere grüne Heimatstadt. Das Bünder Rathaus aus der Vogelperspektive. Diesen Anblick können alle, die mit den Bünder Fliegern einmal in die Luft gehen wollen, geniessen.

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